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Ludger Kenning

Kleinbahnreise durch die Prignitz

368 Seiten 25/21 cm gebunden, 121 Farb- und 445 SW-Fotos, 39 Tabellen, 81 Skizzen

ISBN 978-3-933613-60-8 Preis 48,95 €

 

  „Pollo“ – so die volkstümliche Bezeichnung des längst historischen Prignitzer Schmalspurnetzes – ist noch heute der Inbegriff einer beschaulichen, jedoch leider gegen Ende der 60er Jahre nach einer gezielten Rückzugspolitik der SED leider nicht mehr tragbaren Kleinbahnherrlichkeit im Norden der früheren Provinz Brandenburg. Im Oktober 1897 eröffneten die Ost- und die Westprignitzer Kreisbahnen gleichzeitig ihre Kleinbahnen Perleberg – Hoppenrade und Kyritz – Hoppenrade / Breddin. Ergänzt wurde das gemeinsam und mit Dampflok betriebene Netz mit 750 mm Spurweite in der Folgezeit um die Kleinbahnen Viesecke – Glöwen (1900), Lindenberg – Pritzwalk (1907/08) und Lindenberg – Kreuzweg (1912), womit es eine Gesamtstreckenlänge von immerhin knapp 101 km erreichte.

  Auch wenn die Beförderungszahlen aus heutiger Sicht sehr mäßig blieben, war Pollo über Jahrzehnte hinweg eng mit dem täglichen Leben der Landbevölkerung verbunden und sein Publikum wußte seine Zuverlässigkeit zu schätzen. Er beförderte jegliche landwirtschaftliche Erzeugnisse in die Städte oder aber zum Weiterversand zum nächsten Bahnhof der „Großbahn“, man fuhr mit ihm zur Schule, zur Arbeit, zum Markt oder gar zur großen Bahn, um eine weite Reise anzutreten. Auf einfachen Holzbänken nutzte man die häufig stundenlangen Bahnfahrten, um einander kennenzulernen, Neuigkeiten auszutauschen, sich auf den Unterricht vorzubereiten, von einem harten Arbeitstag zu entspannen oder auch mal einen Geburtstag zu feiern.

  Nach dem 2. Weltkrieg brachen auch für Pollo andere Zeiten an. Zunächst wurde der Abschnitt Viesecke – Zernikow dem schmalspurigen Wiederaufbau der Staatsbahnstrecke Glöwen – Havelberg geopfert, dann übernahm die Deutsche Reichsbahn auch das Prignitzer Kleinbahnnetz. Sie verbesserte u.a. den Oberbau und die Sicherungsanlagen, führte den Rollwagenverkehr ein und stockte den Fahrzeugpark auf. Die neue Blüte war nur von kurzer Dauer: Gegen Ende der 50er Jahre beschloß die SED im Rahmen der zwangsweisen Umsetzung der landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaftenebenso die „Verkraftung“ sowohl des Güter- als auch des Personenverkehrs der früheren Kleinbahnen. So sollten u.a. die Ludwigsfelder Lkw W50 und ungarische Ikarus-Busse 66 die Dienste der Schmalspurbahn übernehmen. Angebotseinschränkungen ließen die Beförderungszahlen dermaßen sinken, daß der sogenannte „Verkehrsträgerwechsel“ unabwendbar war. Stolz über den angeblich „volkswirtschaftlich richtigen Schritt zur Transportrationalisierung“ legte die Rbd Schwerin in den Jahren 1967-71 das Prignitzer Schmalspurnetz nach und nach still.

  Dieses voluminöse Buch ist keineswegs eine Kleinbahnchronik im klassischen Sinn, sondern vielmehr eine bildliche Reise über das Prignitzer Schmalspurnetz in der DDR-Zeit. Nach einer farbigen Einstimmung beschreibt, illustriert und skizziert es die einzelnen Stationen und ihr Umfeld, stellt detailliert die technisch und historisch interessanten Triebfahrzeuge und Wagen dar, macht hier und dort einen Abstecher weiter zurück in die Zeit der Ost- und Westprignitzer Kreiskleinbahnen, zeigt so manche noch heute vorzufindenden Relikte, beschreibt den Aufbau der Museumsbahn Mesendorf – Lindenberg des Prignitzer Kleinbahnmuseums Lindenberg e.V. (PKML) mit dem markanten Fahrzeugpark und schließlich erinnert das Buch an die einstigen normalspurigen Kleinbahnen, nämlich die Perleberger Kreisringbahn Perleberg – Karstädt – Berge – Perleberg und die teils noch heute betriebene Strecke Pritzwalk – Putlitz – Suckow.

Alles einsteigen bitte!

 

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