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Hinrich Rudolfsen

Die Kreisbahn

Emden – Pewsum – Greetsiel

und die Straßenbahn Emden – Außenhafen

128 Seiten DIN-A4 gebunden, 36 Farb- und 199 SW-Fotos, 36 Skizzen

ISBN 3-933613-77-9

Preis: 29,90 €

„Jan Klein“ – so der volkstümliche Name der meterspurigen Kleinbahn von Emden über Pewsum nach Greetsiel – war mehr als nur ein Verkehrsmittel. Über 64 Jahre hinweg gehörte er zum Alltag der Marschbewohner. Er brachte die Krummhörner Werft- und Bauarbeiter und die Greetsieler „Granatfrauen“ nach Emden, allmorgendlich erfüllten die Schulkinder auf dem Weg nach Pewsum oder Emden den Zug mit Leben und die Bauern bezogen mit der Bahn Dünger und Saatgut oder versandten ihre Ackerbauprodukte und ihr Vieh. Die Bauarbeiter saßen nach Firmen getrennt beisammen und die Granatfrauen mit ihren riechenden Fischkörben hatten ihre eigenen Bereiche, und niemand störte sich daran, daß zwischen allen Fahrgästen die Schulkinder umhertobten. Hier traf man sich, lernte einander kennen, tauschte Neuigkeiten aus, vertrieb sich gemeinsam die Zeit beim Kartenspiel oder setzte die Nachtruhe fort. Ein Abteil war allerdings für die „normalen“ Fahrgäste und selbst den Schaffner tabu – das „Separée“ für Verliebte.

Die 22,8 km lange Kreisbahn Emden – Pewsum – Greetsiel, kurz EPG, wurde am 27. Juli 1899 bis Pewsum und am 21. September 1906 bis Greetsiel eröffnet. Bereits bei der Planung stand fest, daß die Hauptbedeutung weniger im Güter- als vielmehr im Personenverkehr liegen würde. Während der Güterverkehr zuletzt weitgehend auf die Straße abgewandert war, zählte „Jan Klein“ noch immer eine halbe Million Fahrgäste pro Jahr. Als kreiseigener Regiebetrieb beschäftigte die EPG anfangs vorwiegend Kommunalbeamte, so daß sie später aufgrund der hohen Personalkosten und Pensionsverpflichtungen sowie des Umstands, daß die meisten Fahrgäste nicht kostendeckende Sozialtarife beanspruchten, immer tiefer in die roten Zahlen fuhr. Mit Jan Kleins letzter Fahrt am 25. Mai 1963 verschwand ein „guter alter Freund“ und zugleich manches Kuriosum.

In Emden gab es eine weitere Meterspurbahn, die elektrische Kleinbahn zum Außenhafen. Von 1902 bis 1953 erbrachte diese Straßenbahn – „de gleunige Düwel“ („der glühende Teufel“) genannt – Höchstleistungen beim Transport der Hafen- und Werftarbeiter oder als Zubringer zu den Borkum-Schiffen. Nach dem Krieg, als es um den Wiederaufbau des großteils zerstörten Emden ging, war die Straßenbahn den Stadtplanern ein Dorn im Auge. In der Nacht vom 30. April auf 1. Mai 1953 nahm die Bevölkerung wehmütig von ihr Abschied.

 

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