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Uwe Köhler

Die Kiesbahn in

Leipzig-Lindenau

112 Seiten DIN-A4 gebunden, 65 Farb- und 142 SW-Fotos, 79 Skizzen und 13 Tabellen

ISBN 978-3-933613-90-5   –  Preis: 24,95 €

  Von den Leipzigern lange Zeit kaum bemerkt, existiert am westlichen Stadtrand schon weit über ein Jahrhundert lang eine außergewöhnliche Feldbahn. Nicht nur mit ihrer absonderlichen Spurweite von 800 mm unterschied sie sich von den meisten der einst zahlreichen Lorenbahnen der Region. Als hier 1896 die ersten Elektrolokomotiven vor die Loren gespannt wurden, hatte es schon vier Jahrzehnte einen Pferdebetrieb gegeben, nämlich bei der Urbarmachung der Sumpfgebiete westlich von Leipzig sowie beim damit verbundenen Kanalbau von der Elster zur Saale. Das stets wandernde Gleisnetz reichte fast bis ans Leipziger Stadtzentrum. Als man beim Kanalbau in Lindenau auf umfangreiche Kiesvorkommen stieß, lag die Aufgabe der Bahn – der nunmehrigen „Lindenauer Kiesbahn“ – fortan im Abtransport von Kies, und das alles in einer Zeit der raschen Industrialisierung und dem einhergehenden explosionsartigen Wachsen Leipzigs zur Großstadt. Der Kies- und Sandbedarf inmitten jenes gründerzeitlichen Baubooms war enorm. Da er sich mit den Technologien des 19. Jahrhunderts nicht decken ließ, investierte der Betreiber schon frühzeitig in moderne Abbau-, Transport-, Verarbeitungs- und Versandanlagen. Es entstand eines der wahrlich bahnbrechendsten Kieswerke jener Zeit. Die Lebensader war die vorwiegend elektrisch betriebene Kiesbahn, die alle Anlagen miteinander verband.

  Nun konnten enorme Mengen Kies und Sand gefördert und auf Wagen der Staatsbahn, der Straßenbahn, in Flußkähne, auf Fuhrwerke und Lkw verladen werden, was in diesem Umfang auf kaum einer anderen Feldbahn ablief. Nach dem 2. Weltkrieg entsteht durch die Einverleibung benachbarter Gruben das seinerzeit wohl größte Kiesabbaugebiet der DDR. Ein Netz mit 12 km Gleislänge und 800 mm Spurweite verband drei Gruben mit den Verarbeitungsanlagen. Im Abraumbetrieb gab es zudem ein separates 600-mm-Netz. Auf den Netzen standen bis zu 35 Lokomotiven und über 500 Loren meist dreischichtig im Einsatz. Dampf-, Diesel- und Elektrolokomotiven teilten sich die Dienste in Lindenau und boten ein buntes Bild vom letzten Aufblühen der Feldbahn. Mit dem Erschöpfen der Gruben begann 1965 der Rückgang des Bahnbetriebs, der sich allerdings mangels Alternativen bis Mai 1991 hinzog.

  Zahlreiche, teils kuriose Begebenheiten begleiteten die Geschichte der Lindenauer Kiesbahn. Neben Fahrten durch Brückenpfeiler gab es z.B. schwimmende Kipploren oder einen Hafen ohne Schiffe. Engagierte Feldbahnfreunde konnten den endgültigen Abbruch der Feldbahn verhindern. Als Museumsfeldbahn Leipzig-Lindenau e.V. bewahren sie heute die Reste der Kiesbahn, unterhalten einen umfangreichen Fahrzeugpark und wecken dadurch zunehmend bei der Bevölkerung das Interesse an diesem markanten Stück Industriekultur.

Hatten sich bei der Auflage von 1998 noch viele geschichtliche Fakten nur durch Gespräche mit Pensionären und aus spärlichen Archivalien ermitteln lassen, ermöglichte nun das Auftauchen zusätzlicher Quellen ein grundlegend neu aufgebautes Buch, das manche Aussage alter Kiesbahner belegt oder korrigiert. Mancher weiße Fleck in der Geschichte – besonders zur Frühzeit des elektrischen Betriebs und zum Geschehen rund um den Hafenbau in der Zeit des Nationalsozialismus – konnte nach nunmehr fast 25-jähriger Recherche getilgt werden.

 

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